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Polaroid Emulsion Lift - kopie defekt PDF Drucken E-Mail
Tuesday, 30. November 2010

Polaroid Emulsion Lift

5 DM Polaroid Transfer

Polaroid ist tot.

Es lebe Polaroid.

 

 

 

 

 

 

 

 

Zutaten

Man nehme ...

1 Polaroid-Foto, gut abgehangen, oder mehrere.
2 Schalen für Wasser
1 Wasserkocher
1 beliebiges neues Trägermaterial (z.B. Aquarellpapier)
1 Kunststofflöffel

 

Vom Massenprodukt zu kleinen Kunstwerken

Eigentlich konzipiert als Massenpodukt für den Consumer-Markt, wurde Polaroid-Material von einer Fotokünstler-Szene für ihre Zwecke entdeckt. Egal ob man nun SX-70 Manipulation, Image Transfer oder Emulsion Lifts macht, dabei entstehen immer Unikate. Der Künstler selbst kann zwar immer wieder ähnliche Produkte herstellen, aber gerade wegen der technischen Unzulänglichkeiten und der damit einhergehenden zufälligen Komponente wird es niemandem gelingen, ein zweites identisches Produkt zu erzeugen.

Nicht nur diese Einmaligkeit sondern auch die besondere Haptik und Optik des fertigen Lifts, die ja sehr stark auch von den Materialien beeinflußt wird, auf die der Lift aufgetragen wird, machen Polaroid-Manipulationen zu etwas ganz besonderem. Leider geht vieles davon verloren, wenn die Arbeiten eingescannt und online präsentiert werden. Insgesamt bin ich eher überrascht davon, in der fotocommunity nicht häufiger gefragt zu werden, welche Photoshop-Filter dabei zum Einsatz kamen.  

Einleitung und Vorbereitung

Für Emulsion Lift und Image Transfers eignen sich nur die alten Peel-Apart-Filme bzw. Trennbildfilme. Die Polaroid Corporation hat ihren Betrieb 2008 eingestellt. Seither werden keine Polaroid-Filme mehr hergestellt. Inzwischen sind so ziemlich die letzten Vorräte über eBay an den Mann gekommen und verbraucht worden. Material, das heutzutage angeboten wird, ist oft so alt, daß die Filme nicht mehr wirklich brauchbar sind.  

Einzige verbliebene Alternative ist der in der Szene der Transfer- und Lift-Künstler unbeliebte Fuji FP 100C. Er entspricht dem Polaroid 669 Pack Film. Für die anderen geeigneten alten Polas 809 und 559 gibt es von Fuji kein Pendant.  In diesem Aufsatz wird beschrieben, in wie weit der FP 100C ein adäquater Ersatz für den 669 ist. Sofern nicht explizit auf Unterschiede zwischen den Filmen hingewiesen wird, gelten alle Aussagen für beide Filme. 

Wichtigster fototechnischer Unterschied ist, daß der Fuji 100 ASA hat während der Polaroid 80 ASA hatte. Dennoch läßt sich der Fuji problemlos in alten Land-Kameras oder Pola-Backs oder Diakopierern wie dem Daylab und Daylab Jr. verarbeiten, bei entsprechender Korrektur der Belichtung.  Wer eine Dunkelkammer sein Eigen nennt kann mit jedem beliebigen Pola-Back mit Darkframe Dias oder andere Durchlichtvorlagen auf Polaroid Film bzw. Fujifilm kopieren. 

Filme der 600er Reihe oder der SX-70-Reihe, wie sie von Nachfolgefirmen wie The Impossible Project oder auch neu unter dem Lable Polaroid aktuell angeboten oder angekündigt werden, sind für dieses Verfahren ungeeignet. 

Fotos anfertigen

Wie auch immer sie entstanden sind, ob nativ fotografiert oder von Dias kopiert, Ausgangsmaterial für Polaroid Emulsion Lifts sind fertige Bilder des Polaroid 669, 809, oder Fuji FP100C. Die Fotos sollen mindestens einen Tag lang austrocknen.   

Arbeitsplatz vorbereiten

Der Arbeitsplatz sollte eine ebene Arbeitsfläche in bequemer Höhe bieten, Wasser und Abwasser, einen Wasserkocher und zwei Schalen oder Wannen für Wasser. 

Eine flache Schale füllt man mit kochendem Wasser während die andere mit lauwarmem Wasser gefüllt ist, so daß man darin mit bloßen Händen arbeiten kann. Die Schale oder Wanne für das lauwarme Wasser (Zimmertemperatur oder etwas wärmer) sollte groß und voll genug sein, um das neue Trägermaterial aufnehmen zu können. Im illustrierten Beispiel wurden Aquarellpostkarten verwendet, so daß für beides kleine flache Schalen ausreichten. 

(Foto des Arbeitsplatzes)

Emulsion Lift

Das Bild lösen

Blasen

Nun legt man den ersten Film mit dem Bild nach oben in das kochende Wasser und beobachtet geduldig, was passiert. 

Zunächst färbt die sich auflösende Gelatine das Wasser leicht rosa oder orange.  Danach wirft das Bild Bläschen.

Wenn man die Blasen erkennt, dann kann man damit beginnen, ganz vorsichtig die sog. "Emulsion" vom Träger des Bildes zu entfernen.

Dabei kratzt man mit dem Kunststofflöffel vorsichtig am Rand des Bildes, bis sich ein Stück der Emulsion löst. Anschließend kratzt man mit größter Vorsicht und Feingefühl die restliche Emulsion stückweise ab.Anlösen

Tatsächlich handelt es sich nicht um eine Emulsion. Die tatsächliche Emulsion wurde nach dem Trennen des Bildes vom schwarzen "Negativ" entsorgt. Da aber fast alle Quellen in diesem Zusammenhang von Emulsion sprechen, wird diese Nomenklatur hier beibehalten. 

Beim Polaroid muß man bei diesem Schritt allergrößte Sorgfalt walten lassen, damit die Emulsion nicht zu sehr verklumpt oder reißt. Der Fuji ist dabei unproblematischer. Es löst sich eine recht stabile und reißfeste Folie. Einerseits ist der Fuji dadurch einfacher zu handhaben, andererseits geht damit viel vom Flair des Polaroids verloren und von der Unvorhersehbarkeit der Ergebnissse. Damit haben die Endergebnisse etwas weniger den Charakter von Unikaten. 

Ablösen 

Der namensgebende "Emulsion lift" ist damit vollzogen. 

 

 

 

 

Das Bild Übertragen

Als nächstes wird die Emulsion mit der Laffe des Löffels aus dem kochenden Wasser in das lauwarme Wasser übertragen.

Übertragen ins kalte/lauwarme Wasser

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier wir die Emulsion nun mit den Fingern so entfaltet und die richtige Richtung gebracht, daß sie auf das neue Trägermedium aufgetragen werden kann. Anschließend wird das neue Trägermaterial eingebracht und die Emulsion darauf so drapiert, wie es der Künstler anbringen möchte.

Zurechtzuppeln

Auch in diesem Schritt unterscheiden sich der Polaroid und der Fujifilm auf die Weise, daß sich der Fuji recht leicht wieder entfalten läßt und dabei selten reißt, wobei diese Arbeiten mit dem Polaroid sehr filigran sind, der Film dennoch oft reißt und man anfangs entsprechend viel Ausschuß produziert.  

Mit zwei oder vier Fingern fixiert wird beides aus dem Wasser genommen, abtropfen gelassen und dann zum Trocknen auf die Seite gelegt. 

Für das nächste Bild empfiehlt es sich, frisches kochendes Wasser zu verwenden. 

Finishing


TrocknenNach dem Trocknen wird auffallen, daß der Fuji-Film nicht besonders fest an seinem neuen Trägermaterial haftet. Für Papiere und Stoffe, die mit dem neuen Bild anschließend hinter Glas gerahmt werden sollen, wird es keine all zu große Rolle spielen. Bei anderem Trägermaterial kann man über die Verwendung säurefreien Klebers nachdenken. Dazu eignet sich beispielsweise Sprühkleber aus dem Kunstbedarf. 

 

Ein Polaroid Film hingegen wird mit vielen Trägermaterialien einschließlich Glas eine relativ dauerhafte Bindung eingehen. Natürlich ist nicht zu erwarten, daß das neue Produkt Regen- Waschmaschinen oder Spülmaschinenfest ist. 

 

 

Fazit

Die Zeit der Polaroid Emulsion Lifts ist vorbei. Obwohl der Fuji-Film grundsätzlich für die gleiche Verarbeitungsart geeignet ist, vom Handling her sogar besser, fehlt ihm einfach das Flair und den Ergebnissen das Unperfekte und das Einzigartige, das Lifts von echten Polaroids erzeugt hatten.

Die folgenden Fotos zeigen Links ein Lift eines Fuji, das fertige Beispiel aus diesem Artikel, und rechts ein Polaroid.

FujiPolaroid

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Technisches

Filme

Polaroid
Fujifilm
Format Zoll
Format cm
669
FP 100C
3.25" x 4.25"
08,3 x 10,8
559FP 100C454" x 5"
10,2 x 12,7
59
FP 100C454" x 5"
10,2 x 12,7
809
 ./.8" x 10"
20,3 x 25,4

Papier

Als neues Trägermaterial bieten sich insbesondere für den Fuji glatte Oberflächen an. Glas, (z.B. ein Spiegel, später gemeinsam mit enem zweiten Spiegel gerahmt, so daß die Emulsion zwischen den Gläsern liegt), Metall, Papier, Pappe. Gut geeignet ist helles bzw. weißes Material. Andere Farben können interessante kreative Gestalungsmöglichkeiten sein. Je dunkler das neue Trägermaterial ist, desto kontrastärmer wird das Polaroid darauf wirken.  

Weiches Material wie z.B. Stoffe sind in Verbindung mit dem Fuji-Material weniger geeignet. Einerseists bietet die Struktur des Gewebes wenig Fläche für die Emulsion, um haften zu bleiben, andererseits wird sich das spröde Material vom Stoff lösen, sobald er bewegt wird.

Da das Fuji-Material nicht genau so gute Klebeeigenschaften hat, wie das Polaroid-Material, sollten Lifts anschließend hinter Glas gerahmt werden. Ein geeignetes Passepartout sorgt für den nötigen Abstand zwischen Papier und Glas, so daß der Lift nicht gequetscht wird und seine typische Form dadurch beibehält.  

Weiterführende Links

Polaroid-Links auf Klecker.de

Die Marke Polaroid (hat nichts mit den für Transfers geiigneten Filmen zu tun)

The Impossible Project

Kathleen Carr: Polaroid Transfers (Buch, Englisch)

Letzte Aktualisierung ( Wednesday, 15. December 2010 )